Was bedeutet es, wenn Sie von Urin träumen?
Artie Wu — Fünfzehn Jahre innere Arbeit, über 100.000 Menschen begleitet
Was ist in diesem Traum von Urin sonst noch passiert?
Die kurze Antwort
Ein Traum von Urin ist keine Warnung vor einem gesundheitlichen Problem, und er ist auch kein peinlicher Ausrutscher Ihres schlafenden Geistes. In der Sprache der Träume kommt Urin aus Ihrem Körper — aus dem Teil von Ihnen unterhalb des Halses, dem körperlichen, instinktiven, fühlenden Selbst — und er ist etwas, das Ihr Körper loslässt, freigibt, nicht länger zurückhält. Dieser Traum sagt also nichts voraus und urteilt nicht über Sie. Er zeigt Ihnen etwas in Ihnen, das heraus muss, und er fragt Sie, sanft, was Sie schon viel zu lange in sich zurückgehalten haben.
Was Urin in Ihrem Traum wirklich bedeutet
Beginnen Sie damit, wo Urin herkommt. Wenn Sie von einem Tier träumen — einer Katze, einer Schlange, einem Pferd — ist dieses Wesen fast immer ein Bild Ihres körperlichen Selbst: nicht Ihr denkender Verstand, nicht Ihre Ideen, sondern der Teil von Ihnen unterhalb des Halses. Ihre Körperlichkeit. Ihr Instinkt. Ihr Gefühl. Der Teil von Ihnen, der Dinge weiß, ohne sie zu durchdenken.
Urin ist noch näher an Ihnen dran als das, denn er gehört nicht irgendeinem Wesen da draußen im Traum — er kommt aus Ihrem eigenen Körper. Und das ist es, was ihn zu einem ganz eigenen Traumsymbol macht: Urin ist etwas, das der Körper zurückhält und dann loslässt. Er ist ein Loslassen. Er ist der Teil von Ihnen, der etwas getragen, aufbewahrt, in sich behalten hat — und der es nun, im Traum, endlich herauslässt.
Das Gefühl, auf dem dieser Traum ruht, ist eines, das fast niemand laut ausspricht: das stille, verkrampfte Empfinden, etwas zurückgehalten zu haben — ein Gefühl, ein Bedürfnis, eine Wahrheit, einen Druck — weil das Loslassen peinlich wirkte, oder unsicher, oder weil es vor den falschen Menschen eine Unordnung angerichtet hätte. Dieses zurückgehaltene Gefühl, das Sie so sorgfältig verwaltet haben, damit es niemandem auffällt, ist genau das, worum es in diesem Traum geht.
Und beachten Sie, wie viel Scham an einem Urin-Traum haftet, wenn Sie aufwachen. Diese Scham ist kein Urteil über Sie. Sie ist der Traum, der Ihnen die genaue emotionale Temperatur dessen zeigt, was Sie zurückgehalten haben: etwas, das sich privat anfühlt, das zuzugeben ein wenig beschämend ist, und das längst hätte losgelassen werden sollen. Der Traum beschämt Sie nicht. Er zeigt Ihnen, wo die Scham bereits wohnt — damit Sie sie endlich ablegen können.
Der Kontext verändert alles
Dringend müssen und keine Toilette finden ist die reine, unverdünnte Form davon: Ihr Körper hat etwas, das er dringend loslassen muss, und überall, wo Sie sich hinwenden, ist der Weg versperrt, besetzt, zu offen oder einfach falsch. Fragen Sie sich, wo in Ihrem Wachleben sich ein echtes Bedürfnis aufbaut — ein Bedürfnis zu sprechen, zu weinen, zu ruhen, ehrlich zu sein —, für das Sie immer wieder nach Erlaubnis suchen und keinen sicheren, privaten Ort finden.
Sich einzunässen oder die Kontrolle zu verlieren dreht den Schamregler herunter und den Wahrheitsregler herauf: Das ist der Teil von Ihnen, der es nicht länger halten konnte. Er hat von selbst losgelassen, weil der Druck schlicht zu groß war. Das ist keine Schwäche. Das ist Ihr Körper, der Ihnen sagt, dass das Zurückhalten längst das überschritten hat, was ein Mensch vernünftigerweise tragen kann.
Erleichterung — endlich loslassen, und es fühlt sich gut an ist die freundlichste Version von allen. Hier beendet der Körper etwas, das er beenden musste. Etwas lange Gehaltenes wurde losgelassen, und Sie spüren die Leichtigkeit davon. Fragen Sie sich, was in Ihnen kürzlich herausgelassen wurde oder bereit ist, herausgelassen zu werden — und wie viel leichter Sie sich fühlen würden, wenn Sie es täten.
Jemand schaut zu, oder Sie gehen vor anderen verweist auf die Angst vor Bloßstellung, die dem Ganzen zugrunde liegt: das Gefühl, dass die Menschen sehen würden, wenn Sie loslassen, was Sie zurückgehalten haben — die Tränen, die Wut, das Bedürfnis —, und dass Sie das nicht ertragen könnten. Der Traum zeigt Ihnen das Publikum, vor dem Sie auftreten, das Publikum, das Sie verkrampft hält.
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Ein Urin-Traum, der immer wiederkommt ist das wichtigste Zeichen von allen. Ein wiederkehrender Traum ist eine E-Mail, die immer wieder neu gesendet wird, weil die ersten nie geöffnet wurden. Wenn dieser Traum immer wieder zurückkehrt, bedeutet das, dass das, was Sie zurückgehalten haben, noch immer zurückgehalten wird — und dass der Teil von Ihnen, der es loslassen muss, nicht aufhören wird zu klopfen, bis Sie sich ihm zuwenden.
Was Sie mit diesem Traum anfangen können
Hier ist der Schritt, den die meisten übersehen: Der Urin in Ihrem Traum — und der Drang dahinter — ist nicht nur ein peinliches Detail. Er ist ein Teil von Ihnen. Er ist das eigene Signal Ihres Körpers, und Sie können sich ihm tatsächlich zuwenden und mit ihm sprechen, anstatt ihn in einem Symbolwörterbuch nachzuschlagen und dann wegzuschauen.
Setzen Sie sich also mit dem Traum hin und befragen Sie ihn. Wenden Sie sich diesem zurückgehaltenen Druck zu und stellen Sie ihm, ganz direkt, die Fragen, die ihm niemand je stellt: Was habe ich zurückgehalten, das du mich loslassen lassen wolltest? Wie lange trägst du das schon? Wovor hast du Angst, wenn du es loslässt — wer genau würde es sehen? Wo ist der sichere, private Ort, den du gesucht hast, und warum habe ich ihn dir nicht geschaffen? Wie würde es sich anfühlen, das endlich loszulassen?
Lassen Sie die Antworten im Körper kommen, nicht im Kopf — das ist eine Botschaft von unterhalb des Halses, und sie wird sich in Erleichterung äußern, in Enge, im plötzlichen Drang zu weinen oder zu seufzen. Das ist der Teil von Ihnen, der antwortet. Hören Sie so zu, wie Sie einer Freundin zuhören würden, die endlich etwas zugibt, das ihr zu sagen zu beschämend war.
Dort öffnen sich diese Träume ganz — und es ist fast nie das, was Sie vermuten würden. Die Dringlichkeit im Traum dreht sich nicht um eine Toilette. Sie dreht sich um ein Leben, das etwas viel zu lange zurückgehalten hat und darauf wartet, dass Sie sagen: Es ist gut, du kannst das jetzt loslassen.
Die eine Frage also, mit der Sie sitzen bleiben sollten: Was haben Sie zurückgehalten — verkrampft, privat, ein wenig beschämt davon —, das ein Teil von Ihnen endlich, dringend loslassen möchte?
Was ist in diesem Traum von Urin sonst noch passiert?
Über den Autor
Artie Wu ist der Gründer von Preside Meditation und Ariadne. Mit Abschlüssen von Harvard und Stanford begleitet er seit fünfzehn Jahren über 100.000 Menschen bei innerer Arbeit — Traumdeutung, Schattenarbeit, Arbeit mit inneren Anteilen und somatische Heilung.
Er wurde im Gaia.com-Spielfilm Transcendence 2 sowie auf Fox, CBS und CNN vorgestellt.
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